Der Chef
Gage Plecic: Galerie Boutique Bar
Was wollten Sie als kleines Kind werden? Erinnern Sie sich warum?
Mein Vater arbeitete in den frühen 80er Jahren als Kellner im Hotel Freienhof in Thun, deshalb wollte ich als Kind natürlich auch Kellner werden. Wie John Lennon einst sagte: „A Working Class Hero is something to be“.
Warum sind Sie Barkeeper geworden?
Weil ich beim Ausüben dieses Berufes ich selbst sein kann. Ich mag es, Räume mit positiver Energie zu füllen und angenehme Begegnungsorte zu schaffen. Wenn dann das Haus voll ist und alle Gäste mit einem zufriedenen Lächeln dasitzen, einander Geschichten erzählen und im schummrigen Kerzenlicht ihren Cocktail geniessen, dann hält für mich jeweils kurz die Zeit an - dann weiss ich, dass ich meinen Job gemacht habe. Diese Momente geben mir Sinn und das erfüllt mich mit einer Ruhe, wie ich sie sonst selten verspüre.
Welches Konzept steckt hinter Ihrer Bar?
Ein Besuch in der Galerie ist immer eine Reise in die Welt der Sinne. Die Einzigartigkeit des Konzeptes spiegelt sich u.a. in der mondänen Innenarchitektur wider, die unseren Gästen zufolge an New York und London erinnert. Gepaart mit dem familiären Führungsstil und der hochwertigen Cocktailkultur entstand am Thuner Aarequai gemäss Hans Georg Hildebrandt (Inhaber Gents Tonic Water) ein gastronomisches „Juwel“, auf das die Stadt Thun sehr stolz sein sollte. Ruedi Zotter meinte gar, dass unser Konzept die Zukunft der Gastronomie darstellt.
Was zeichnet einen guten Barchef aus?
Ein guter Barchef sollte aus meiner Sicht inspirieren, die Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter erkennen und die Qualitäten entsprechend fördern. Ich pflege in der Galerie zudem einen sehr familiären Führungsstil und begegne unseren Mitarbeitern stets auf Augenhöhe. Das schafft eine starke Bindung und baut Vertrauen auf. Unser Team schätzt die flachen Hierarchien sehr, die meisten unserer Mitarbeiter verbringen auch privat viel Zeit bei uns. Und das ist schliesslich das grösste Kompliment, das man von seinen Mitarbeitern erhalten kann.
Was raten Sie jungen Bar-Mitarbeitern?
Sich gut zu überlegen, ob sie nicht doch lieber Influencer oder Halbtags-Bürolist werden wollen. Mit Barkeepern ist es wie mit Rockstars – entweder man ist es, oder man ist es nicht. Die Essenz und die Seele dieses Berufsstandes kann man nicht erlernen. Doch falls jemand tatsächlich über diese seltene Gabe verfügt, dann herzliche Gratulation und „welcome to the other side!“.
Ihr schönstes oder lustigstes Erlebnis hinter der Bar?
Da gibt es viele… sie handeln von brennenden Menschen, vom Evakuieren des Lokals aufgrund eines Gastes unter Kohlsuppe-Diät, von grausigen Schaufensterküssen bis hin zu nicht jugendfreien Szenen am Silverstermorgen um 04.30 Uhr.
Welche berühmten Persönlichkeiten waren schon zu gast in Ihrer Bar?
Carlos Leal beispielsweise, für den ich einen Negroni gemixt habe.
Was machen Sie, wenn Sie mal nicht hinter oder für die Bar arbeiten?
Ich mache Musik, schreibe Songs und streite mich mit mir selber über das Release-Datum.
Welches ist Ihr Lieblingsland? Und warum?
Die Schweiz. Weil dieses Land unsere Eltern vor 55 Jahren aufgenommen und unserer Familie eine Zukunft gegeben hat.
Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Und warum?
Meine Lebensgefährtin. Weil ich ohne sie nicht halb der Mann wäre, der ich heute bin.
Bio:
Geburtstag: 07.01.1979
Bar: Galerie Boutique Bar
Herkunftsland: Deutschland
Ausbildungsort: Bern
Bisherige Bartätigkeiten (Betriebe und Funktion):
2008 – 2020: La Cueva Thun, Inhaber & Geschäftsführer
2015 – 2020: Vamp Club, Inhaber & Geschäftsführer
2021 – Heute: Galerie Boutique Bar, Inhaber & Geschäftsführer
Wettbewerbe:
Swiss Bar Award 2022: Best Newcomer Bar
Swiss Location Award 2023: 9.3 von 9.4 Punkten
Berlin Craft & Spirits Award 2025: Silber Medaille für meinen Berry Likör