Spanien & Karibik

Das Erbe der Eroberer


Man könnte meinen, wir leben in besonders bewegten Zeiten, weil ganze Völker sich aufmachen und ihr Land verlassen. Doch dem war schon immer so – Migration ist ein wesentlicher Bestandteil der Menschheit. Die Motive sind dabei vielfältig: Religion, Krieg, Armut, Pioniergeist, Machthunger. Was geschieht, wenn fremde Kulturen neue Welten erobern? Sie nehmen ihr Know-how und ihre Rituale mit. Auch ihre Trinkrituale.

 

Eine besonders umtriebige Nation war in der Vergangenheit Spanien – zu ihren Hochzeiten bildete die Kolonialmacht das größte Reich der Geschichte. Und dieses hatte mehr als fünf Jahrhunderte Bestand. Den Anfang markierte 1492 die Rückeroberung der iberischen Halbinsel aus den Händen der Mauren – beflügelt von diesem Erfolg, stand den Spaniern fortan der Sinn nach Expansion. Im ewigen Konkurrenzkampf mit der Seemacht Portugal ging es nun darum, alternative Handelswege Richtung Osten zu erschließen, um an begehrte Waren wie Gewürze zu gelangen. Die Landwege waren jedoch überwiegend von Italienern und Osmanen besetzt. Und so wurde Christoph Kolumbus bei seinen Entdeckungsfahrten von der spanischen Krone unterstützt, denn er verfolgte die Theorie, dass man auch gen Westen, über den Wasserweg, nach Indien gelangen kann. Was auch nicht falsch war, dazwischen lag lediglich Amerika. Unversehens fand er sich als Wegbereiter für die Inbesitznahme dieser neu entdeckten Welt wieder. Als Folge eroberten die Spanier im 16. und 17. Jahrhundert Teile der Karibik sowie angrenzende Staaten in Süd- und Mittelamerika. Hier ließen sie sich nieder und etablierten ihre Kolonien. Noch heute ist die Amtssprache auf Kuba, in der Dominikanischen Republik, Puerto Rico, Panama und Venezuela Spanisch.

Das wohl nachhaltigste Erbe, das die Spanier mit in die Neue Welt brachten, war Zuckerrohr. Kolumbus hatte es bei seiner zweiten Reise 1493 in Form von Stecklingen an Bord. Wie sich herausstellte, herrschten in diesen Breitengraden durch das feuchtwarme Klima optimale Bedingungen zum Gedeihen der Pflanzen. Und aus diesen zarten Anfängen erwuchs einer der größten Exportschlager der Karibik: Rum. Zunächst freilich war er ein Nebenprodukt der Zuckergewinnung. Aus den Resten der Produktion, der sirupartigen Melasse, wurde ein rauer Brand destilliert. Qualitativ alles andere als hochwertig, entpuppte sich der Hochprozentige dennoch schnell als effektiver Motor für all jene, die bei den hohen Temperaturen und bis zu 90 Prozent Luftfeuchte schuften mussten – seien es die Sklaven auf den Plantagen, die Matrosen auf den Schiffen oder später die Piraten auf den Meeren, um sich Mut anzutrinken. Bis heute bildet Melasse die Basis für die meisten Rums. Eine Ausnahme stellt Rhum Agricole dar, der seinen Ursprung auf den französisch kolonialisierten Inseln hat. Er wird aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt.

Über die Jahrhunderte wurden die Herstellungsmethoden ausgefeilter, und mit den verschiedenen Nationen, die sich in die Neue Welt aufmachten – neben Spaniern gab es noch Engländer, Franzosen, Holländer und Portugiesen – etablierten sich auch die unterschiedlichsten Arten der Rum-Herstellung und -Stile. Die spanisch geprägten „Rons“ zählen zu den leichteren und reineren Sorten: Sie werden höherprozentig destilliert, meist in größeren und mehrfachen Kolonnensystemen wie den Coffey Stills. Der so entstehende Alkohol ist weniger schwer als der aus Pot Stills. Dieser Stil wurde vor allem auf Kuba populär, weshalb er auch kubanischer Stil genannt wird, aber ebenso in Puerto Rico oder der Dominikanischen Republik. Klassische Vertreter dieser Richtung sind die Rums von Havana Club, Barcelo oder Ron Vacilon. Dieser Stil findet sich aber auch auf dem Festland wieder – Rum Malecon aus Panama etwa wird ebenfalls nach traditioneller, kubanischer Methode hergestellt. In Handarbeit geerntetes Zuckerrohr wird mit natürlicher Hefe zur Gärung in offene Bottiche gegeben. Das Brennen findet in kupfernen Column Stills statt – daraus ergibt sich der typische „light-bodied“ Rum.

 

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