Wien und die Bars

Cocktailkultur zwischen Trend und Schmäh


Der Schriftsteller und Kritiker Alfred Polgar bemerkte einst: „Wien bleibt Wien - und das ist wohl das Schlimmste, was man über diese Stadt sagen kann.“ Leider durfte der 1955 verstorbene Autor von „Geschichten ohne Moral“ oder „Begegnungen im Zwielicht“ die lebendige Barszene der österreichischen Hauptstadt nicht mehr in ihrer modernen Form kennenlernen. Unser Autor Peter Eichhorn nimmt uns mit auf eine Reise nach Wien und in die Bars der Metropole.

 

Der Alltag von Alfred Polgar war geprägt durch die bewährte Welt der legendären Kaffeehäuser, die eine bedeutende Art der Wiener Trinkkultur repräsentieren, wie insbesondere das legendäre Café Central. Hier stellte Polgar fest: „Das Café Central ist nämlich kein Caféhaus wie andere Caféhäuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen.“ Wir hingegen wollen heute die Wiener Barwelt durchaus anschauen und diese besondere Mischung aus Klassik und Innovation genießen, die eine Bar-Tour in der Donaumetropole so attraktiv machen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass in der Eden-Bar noch Krawatten- und Sakko-Zwang herrschte oder dass es in der Dino’s Bar undenkbar schien, weibliches Tresenpersonal einzustellen. Oft ist der Zusatz „American Bar“ ein hilfreicher Hinweis auf einen der ehrwürdigen Klassiker mit dem charmanten Hauch des Angestaubten. Solide Getränke, spannende Gäste und solide Getränke lohnen allemal einen Besuch in den Institutionen wie der Kruger’s American Bar, New York Bar and Music und insbesondere der Loos Bar, jenem architektonischen Kleinod aus dem Jahr 1908. Nur 27 Quadratmeter groß und doch legendär durch prominente Gäste, mythische Geschichten und Gerüchte und eine charismatische Wirtin, die ab 12 Uhr mittags die Champagnerkorken knallen lässt.

 

Klassik neu entdeckt

Die lebendige Wiener Barszene ist jünger geworden. Doch auch manche Klassiker verjüngen sich. Aktuell ist die Freude in Wien groß, dass der legendäre Barfly’s Club seine Türen jüngst wieder öffnete. 1989 eröffnete der unvergessene Mario Castillo jenen Ort, der durch seine Atmosphäre und Spirituosensammlung rings um einen perfekten Gastgeber bald zur Institution wurde. Besucher mussten die drei Buchstaben „Bar“ unter dem doppelköpfigen Adler der Habsburger Monarchie am Hotel Metternich erspähen, um über zwei kleine Treppen zur strengen Garderobenfrau gelangen. 2019 schien das Ende des Clubs besiegelt, als Melanie Castillo und die Hotel-Betreiber sich nicht über die Fortführung des Barfly’s einigen konnten. Doch dann übernahm mit Manfred Stallmajer ein neuer Betreiber das Hotel und Melanie Castillo freut sich: „Für Stallmajer war klar: Ein Hotel in der Esterhazygasse 33 ohne das Barfly’s ist undenkbar.“

 

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